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über die wucht der kleinen dinge.

7 Apr

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Foto von bulletproofbra

Statt einschneidender Lebensereignisse sind es häufig die Kleinigkeiten des Alltags, die über das Wohlbefinden entscheiden. Grund genug, ein wenig nachzuhelfen. [Dieser Text erschien zuerst im Blog der Psychologie Heute und kann seit Dezember 2017 nun auch hier gelesen werden.]

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Statt einschneidender Lebensereignisse sind es häufig die Kleinigkeiten des Alltags, die über das Wohlbefinden entscheiden. Grund genug, ein wenig nachzuhelfen.

Dass es häufig gerade die Kleinigkeiten des Alltags sind, die unser Wohlbefinden maßgeblich beeinflussen, das machte mir kürzlich die Berliner Polizei deutlich. Aber von vorn: Es begann an einem Mittwoch im Winter mit einem Wuschelkopf. Der (gar nicht mehr ganz so) Kleine benötigte eine neue Frisur, deshalb ging es nachmittags mit dem Auto in die Stadt. Ein Parkplatz fand sich, nur war der Parkscheinautomat kaputt und nahm kein Geld. Was soll’s, dachte ich mir, fotografierte zum Beweis das defekte Gerät und eilte zum Frisör.

Ein kaputter Parkscheinautomat hält die Mitarbeitenden des Ordnungsamts jedoch nicht davon ab, Strafzettel zu verteilen, die einen Monat später zu einer schriftlichen Verwarnung führen. Das Wohlbefinden sinkt. Unbeantwortet bleibt meine schriftliche Erklärung samt Fotobeweis, dafür folgt ein Bußgeldbescheid mit Strafgebühren und Androhung von Erzwingungshaft. Warum, das beantwortet dann eine Recherche in den Untiefen des deutschen Paragrafendschungels. Da heißt es nämlich: „Ist ein Parkscheinautomat nicht funktionsfähig, darf nur bis zur angegebenen Höchstparkdauer geparkt werden. In diesem Fall ist die Parkscheibe zu verwenden.

Empfehlenswert ist in diesem Fall ein ausgeprägtes Gespür für Details, denn auch ohne Höchstparkdauer muss eine Parkscheibe ausgelegt werden. Der Nutzen davon bei unbegrenzter Parkzeit erschließt sich nicht. Dafür wird unmittelbar deutlich, was Daniel Kahneman und Kollegen meinten, als sie zeigten, dass es nicht etwa die großen Lebensereignisse sind, die regelmäßig unsere Emotionen bestimmen, sondern vielmehr die Anhäufung der Unwägbarkeiten des Alltags. Wobei eine Anhäufung in diesem Fall gar nicht nötig war.

Eine erfolgreiche Maßregelung bietet, das wird Eltern nicht verwundern, Verhaltensalternativen an. Anderenfalls drohen heimliche Wiederholungstaten, denn statt Einsicht bringen unerklärliche Strafen im Allgemeinen einen Dickkopf. Eine Ausnahme gilt in diesem Fall für sogenannte autoritätshörige Personen, die Theodor Adorno und Kollegen in der Mitte des letzten Jahrhunderts mit kritikloser Folgsamkeit charakterisierten. Autoritätshörige Personen halten darüber hinaus bevorzugt an konventionellen Werten fest und tendieren zu Aggressionen gegenüber Minderheiten. Was lässt sich aber lernen, wenn man, wie die meisten, nun nicht zu dieser hörigen Subgruppe gehört?

Abwarten mag eine Strategie sein, um trotz mangelnder Einsicht angepasst zu reagieren. Unsere Persönlichkeit entwickelt sich im Allgemeinen in eine Richtung, die konformes Verhalten begünstigt. In einer Studie haben wir beispielsweise beobachtet, dass die Gewissenhaftigkeit, und damit auch die Wahrscheinlichkeit für vorschriftsmäßiges Verhalten, im Durchschnitt bis zum Alter von 40 Jahren ansteigt. Auch die Verträglichkeit, und damit die Vermeidung von Streit, nimmt im Laufe des Erwachsenenalters zu. Allerdings ist hier Geduld vonnöten, denn große Veränderungen sind erst im hohen Alter zu erwarten.

Um Wiederholungstaten zu vermeiden (und die Umwelt zu schonen) bietet es sich in diesem Fall an, auf Bus und Bahn umzusteigen. Dort lässt sich während der Fahrt auch gleich wunderbar über die Unwägbarkeiten des Alltags schreiben. Denn, wie James Pennebaker gezeigt hat, reichen schon 15 Minuten am Tag aus, um auf diese Weise Wohlbefinden und Gesundheit zu stärken (eine Anleitung dafür gibt es hier). Und wenn, wie in Berlin, die Anreise länger dauert, dann bleibt sogar noch Zeit für Erheiterung mit Telefonstreichen wie denen von Studio Braun. Ich fühl mich jedenfalls gleich viel glücklicher.

Zum Weiterlesen

Kahneman, D., Krueger, A. B., Schkade, D. A., Schwarz, N., & Stone, A. A. (2004). A survey method for characterizing daily life experience: The day reconstruction method. Science, 306, 1776-1780.

Pennebaker, J. W. (1997). Writing about emotional experiences as a therapeutic process. Psychological Science, 8, 162-166.

Specht, J., Egloff, B., & Schmukle, S. C. (2011). Stability and change of personality across the life course: The impact of age and major life events on mean-level and rank-order stability of the Big Five. Journal of Personality and Social Psychology, 101, 862-882.

Soundtrack zum Blog-Post

➲ über die Herausforderungen des Alltags: ‚Ich will heute nicht kämpfen‘ von Superpunk

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Seit Juli 2014 veröffentlicht die populärwissenschaftliche Zeitschrift Psychologie Heute einen wöchentlichen Blog mit dem Titel ‚Der psychologische Blick‘. Jeden Dienstag schreibt darin einer von sechs Kolumnisten, darunter die Autorin dieses Blogs, über aktuelle Themen aus Alltag, Gesellschaft und Wissenschaft.