Labor meets Liebe
Rot wie die Liebe?

11 Feb

Foto von Liz Kasameyer

Rot ist die Farbe der Liebe. So wird es häufig angenommen. Aber: Rot ist vielmehr die Farbe der sexuellen Anziehung. Denn die Farbe Rot ist ein hervorragendes Aphrodisiakum. Aber in festen Partnerschaften eher nicht empfehlenswert.

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Mit „Romantic Red“ beginnt, ungewohnt sentimental, ein Artikel von Andrew Elliot und Daniela Niesta aus dem Jahr 2008. Ganz so romantisch ging es im Labor allerdings nicht zu: Junge Männer sahen Fotos von jungen Frauen in unterschiedlich gefärbten Oberteilen vor unterschiedlich gefärbten Hintergründen und wurden dazu befragt. Sahen sie eine lady in red, dann fanden sie die Frau attraktiver, fühlten sich zu dieser sexuell stärker hingezogen und gaben an, sie eher um ein Date bitten und mit ihr im Bett landen zu wollen als junge Männer, die dieselben Frauen mit anders eingefärbten Oberteilen vor andersfarbigen Hintergründen sahen.

Sascha Schwarz und Marie Singer fanden in einer aktuellen Studie heraus, dass dieser Farb-Effekt jedoch nur für junge Frauen gilt. Sie befragten Männer unterschiedlichen Alters zu einer jungen oder mittelalten Frau vor einem roten oder weißen Hintergrund. Allgemein fühlten sich die Männer der jungen Frau stärker hingezogen und zwar unabhängig davon ob sie selbst jung oder mittelalt waren. Interessanterweise verstärkte die Farbe Rot darüber hinaus die sexuelle Anziehung zu der jungen Frau, während die sexuelle Anziehung zu der mittelalten Frau von dieser Farbe unbeeinflusst war.

Doch warum lassen sich Männer durch diese Farbe so stark bezirzen? Die Autoren der oben vorgestellten Studien zeigen zwei mögliche Ursachen für diesen Farb-Effekt auf: Entweder geht dieser Effekt auf biologische Triebe zurück, die Rot mit einem erhöhten Östrogenspiegel verbinden, da Östrogen zu einer Erhöhung der Durchblutung und dadurch eher zu Errötung führen kann. Die Farbe Rot signalisiert also eine hohe Fruchtbarkeit und weckt damit das Interesse der Männer. Frauen nach der Menopause profitieren jedoch nicht von diesem Effekt, da sich die Frage der mehr oder weniger stark ausgeprägten Fruchtbarkeit nicht mehr stellt.

Eine alternative Erklärung ist, dass die Farbe Rot in unserer heutigen Gesellschaft hauptsächlich mit roter Unterwäsche oder Rotlichtvierteln assoziiert wird, weshalb wir gelernt haben diese Farbe mit sexueller Verfügbarkeit zu verbinden. Zumindest scheint dieser Farb-Effekt für Männer ungeahnt zu sein. Sie selbst führten ihre Anziehung nämlich auf das Gesicht oder die Kleidung der Frau zurück. Auch beeinflusste die Farbe Rot weder die Sympathie, die ein Mann hegte, noch seine Einschätzung der Freundlichkeit oder Intelligenz der abgebildeten Frau.

Für das wahre Leben lässt sich aus solchen Befunden ableiten, dass Rot eben doch nicht die Farbe der Liebe ist, sondern eher mit Sexualität (genauer: Sex mit bisher unbekannten jungen Frauen) assoziiert wird. Eine Frau ist deshalb mit roter Kleidung gut beraten, wenn sie entweder auf der Suche nach einer Affäre ist oder aufgrund ihrer erhöhten sexuellen Anziehungskraft Aufmerksamkeit wecken möchte um damit eventuell auch eine längerfristige Beziehung zu ermöglichen. Rote Kleidung wird ihre Chancen auf Erfolg im Mittel jedenfalls entweder erhöhen (wenn sie jung ist) oder unbeeinflusst lassen (wenn sie älter ist).

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Bei der (natürlich jugendfreien) Besprechung dieses Blog-Artikels am Familien-Frühstückstisch stellte sich heraus, dass die Farbe Rot durchaus auch negative Auswirkungen haben kann. Wie meine Tochter aus ihrer Geolino zu berichten wusste, können rote Rosen zu mehr Streit führen als andersfarbige Rosen. Dafür spricht das Ergebnis einer Studie von Florence Dupont, in der sie beobachtete, dass Paare, die über eine Woche hinweg rote Rosen im Wohnzimmer stehen hatten, deutlich gereizterer Stimmung waren als Paare, die rosa- oder apricot-farbene Rosen erhielten. Rote Rosen am kommenden Donnerstag sind also möglicherweise doch nicht die beste Wahl.