departments statt lehrstühle.
ein debattenbeitrag.

12 Okt

Eine Department-Struktur – als eine Alternative zur bisherigen Lehrstuhl-Struktur – hat das Potential, mehrere Schieflagen im heutigen Wissenschaftssystem zu überwinden und kann ein zentraler Schritt hin zu einem leistungsstarken und sozialverträglichen Wissenschaftssystem sein. Aber was ist konkret damit gemeint? Wie könnte diese umgesetzt werden? Und mit welchen Folgen – einige davon mehr, andere weniger wünschenswert – ginge ein solcher Strukturwandel einher?

Zusammen mit vier weiteren Mitgliedern der Jungen Akademie bin ich diesen Fragen nachgegangen. Heraus kam dabei ein Aufschlag zu einem Papier, das anschließend in interdisziplinären Gesprächsrunden innerhalb der Jungen Akademie diskutiert und darauf aufbauend überarbeitet und ergänzt wurde. Doch damit ist unser Ziel noch nicht erreicht: Wir möchten dem Thema Department-Struktur wissenschaftspolitische Aufmerksamkeit verschaffen und es öffentlich diskutieren: Welche Perspektiven gibt es auf dieses Thema? Welche Chancen, welche Befürchtungen und welche praktischen Hürden gehen mit einer Department-Struktur einher? Zu diesen Fragen haben sich Personen aus Wissenschaft und Politik in insgesamt 14 Kommentaren geäußert.

Gemeinsam ist es uns so gelungen, eine Vielfalt an Perspektiven u. a. von Personen mit praktischen Erfahrungen bei der Einführung einer Department-Struktur (in Mannheim, Bremen und Lübeck), PolitikerInnen von Bundes- und Landesebene (von CDU, SPD, Grünen und Linken), aus unterschiedlichen Statusgruppen (Mittelbau, JuniorprofessorInnen, unbefristete ProfessorInnen und Präsidien) und aus der Wissenschaftsforschung zusammenzubringen. Wir hoffen, mit dieser Initiative eine lebendige Diskussion zum Thema Department-Struktur anzustoßen bzw. fortzuführen.

Dieser Debattenbeitrag entstand innerhalb der interdisziplinären Arbeitsgruppe Wissenschaftspolitik der Jungen Akademie und kann unter folgendem Link gelesen werden:
Jule Specht, Christian Hof, Julia Tjus, Wolfram Pernice & Ulrike Endesfelder (2017). Departments statt Lehrstühle: Moderne Personalstruktur für eine zukunftsfähige Wissenschaft. Berlin: Die Junge Akademie (ISBN 978-3-00-057956-1).

Berichte über unseren Debattenbeitrag kann man hier nachlesen:

  • Artikel in der ZEIT von Anna-Lena Scholz mit dem Titel ‚Umbau der Pyramide‘ Link zum Artikel
  • Artikel von Jan-Martin Wiarda in seinem Blog mit dem Titel ‚So könnte es gehen‘ Link zum Artikel
  • Artikel von René Krempkow im SciLogs-Blog von Spektrum.de mit dem Titel ‚Das Wissenschaftssystem vom Kopf auf die Füße stellen‘ Link zum Artikel
  • Artikel im Laborjournal von Ralf Neumann mit dem Titel ‚Schluss mit Pyramide‘ Link zum Artikel
  • Artikel von Birgit Fingerle im ZBW Blog mit dem Titel ‚Department versus Lehrstuhl: Könnte Open Science profitieren?‘ Link zum Artikel
  • Beitrag im SWR2 mit Ulrike Till und Armin Himmelrath mit dem Titel ‚Uni ohne Lehrstühle? Junge Wissenschaftler fordern neue Strukturen‘ Link zum Beitrag
  • Artikel in der ZEIT von Anant Agarwala und Anna-Lena Scholz mit dem Titel ‚Macht Schluss damit: Die Strukturen der Wissenschaft begünstigen, dass Macht missbraucht wird. Die Debatte darüber kann jetzt zu einem Kulturwandel führen‘ Link zum Artikel
  • Artikel in Der Standard von Miguel de la Riva mit dem Titel ‚Unter den Talaren der Ordinarien‘ Link zum Artikel
  • Artikel in der Süddeutschen Zeitung von Paul Munzinger mit dem Titel ‚Der Widerstand an den Unis wächst‘ Link zum Artikel
  • Artikel in Leopoldina aktuell 06|2017 von Jan Hauke Plaßmann mit dem Titel ‚Departments anstatt Lehrstühle: Junge Akademie befürwortet Wandel im Wissenschaftssystem‘ Link zur Ausgabe
  • Artikel von Jan Hauke Plaßmann im alma meta-Blog mit dem Titel ‚Moderne Personalstruktur für eine zukunftsfähige Wissenschaft‘ Link zum Artikel

Die Junge Akademie:
Die Junge Akademie wurde im Jahr 2000 als weltweit erste Akademie für herausragende junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ins Leben gerufen. Ihre Mitglieder stammen aus allen wissenschaftlichen Disziplinen sowie aus dem künstlerischen Bereich – sie loten Potenzial und Grenzen interdisziplinärer Arbeit in immer neuen Projekten aus, wollen Wissenschaft und Gesellschaft ins Gespräch miteinander und neue Impulse in die wissenschaftspolitische Diskussion bringen. Die Junge Akademie wird gemeinsam von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina getragen. Weitere Informationen zur Jungen Akademie gibt es hier: http://www.diejungeakademie.de

gastkommentar im zeit chancen brief.
kinder auf die konferenzen!

24 Aug

Zeit Chancen Brief

Zahlreiche Mitglieder der wissenschaftspolitischen Szene Deutschlands reisen zur heute beginnenden GAIN-Tagung nach San Francisco. Das Ziel: Vielversprechende WissenschaftlerInnen aus Deutschland für den hiesigen Wissenschaftsstandort zurückgewinnen. WissenschaftlerInnen mit Kindern scheinen dabei nicht zur Zielgruppe zu gehören. Zumindest fehlt es an entsprechender Unterstützung – beispielsweise in Form von Kinderbetreuung während der Tagung. Haftungsrechtlich schwierig, heißt es auf Nachfrage, man fühlt sich nicht zuständig. Die Folge: Wer Kinder hat, kommt nicht zur GAIN – oder organisiert sie still und heimlich weg.
Ist das ein realistisches Bild der mangelnden Vereinbarkeit von Wissenschaft und Familie in Deutschland, das die GAIN so vermittelt? Leider ja: Der BuWiN 2017 zeigt, dass WissenschaftlerInnen in Deutschland seltener Kinder haben als andere Hochqualifizierte (obwohl sie sich welche wünschen!), was u.a. an den Beschäftigungsbedingungen liegt.
Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen forderte im letzten Monat familiengerechte Chancen in der Wissenschaft, beispielsweise mithilfe finanzieller Unterstützung bei der Kinderbetreuung. Die DFG gestaltete zeitgleich ihre Antragsvoraussetzungen familienfreundlicher und vergibt nun zusätzliche Familienzuschläge. Auch Berlin wird familienfreundlicher: Dort können JuniorprofessorInnen mit Kindern ihre Stelle um bis zu 4 Jahre verlängern, was bisher von den Präsidien einzelner Hochschulen torpediert wurde, aber mit dem geänderten Berliner Hochschulgesetz nicht mehr abzuwenden ist.
Ein frühes Vorbild ist in diesem Zusammenhang für mich die Studienstiftung, die mich (und meine beiden Kinder) während meines Studiums unterstützte und es u.a. ermöglichte, Kinder zu Sommerakademien mitzunehmen. Deshalb gehörten Kinder dort zum Konferenzalltag und zeigten unmittelbar: Familie und Wissenschaft sind zusammen möglich.
Das sind ermutigende Beispiele dafür, dass die Vereinbarkeit von Wissenschaft und Familie nicht nur auf Konferenzpodien gehört, sondern auch im Alltag ankommt. Wenn Deutschland für die besten WissenschaftlerInnen attraktiv sein soll, dann müssen wir auch auf Menschen mit Kindern vorbereitet sein.

Prof. Dr. Jule Specht lehrt Persönlichkeitspsychologie an der Humboldt-Universität zu Berlin und ist Sprecherin der Jungen Akademie

***

Dieser Gastkommentar erschien heute im ZEIT CHANCEN Brief. In diesem kostenlosen Hochschul-Newsletter der Wochenzeitung DIE ZEIT werden ein- bis zweimal wöchentlich Berichte zu hochschulpolitischen Themen zusammengestellt. Anmelden kann man sich dafür hier.

wissenschaftspolitik.
spezialausgabe in der forschung von mitgliedern der bbaw und der jungen akademie.

18 Aug

Mitglieder der interdisziplinären Arbeitsgruppe Exzellenzinitiative der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Arbeitsgruppe Wissenschaftspolitik der Jungen Akademie haben gemeinsam eine Spezialausgabe der Zeitschrift Forschung: Politik – Strategie – Management gestaltet. Auf Basis zahlreicher gemeinsamer Diskussionen sind Texte zur Finanzierung von Wissenschaft, der Governance im Hochschulsystem, der Exzellenz von Wissenschaft, zum wissenschaftlichen Nachwuchs und zur Familienfreundlichkeit der Hochschulen entstanden.

Weitere frei zugängliche Informationen zur Spezialausgabe inklusive einer Einführung von Stephan Leibfried und Ute Tintemann finden sich hier.
Zugriff auf die vollständige Spezialausgabe inklusive aller Texte gibt es hier.

***

Die Junge Akademie wurde im Jahr 2000 als weltweit erste Akademie für herausragende junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ins Leben gerufen. Ihre Mitglieder stammen aus allen wissenschaftlichen Disziplinen sowie aus dem künstlerischen Bereich – sie loten Potenzial und Grenzen interdisziplinärer Arbeit in immer neuen Projekten aus, wollen Wissenschaft und Gesellschaft ins Gespräch miteinander und neue Impulse in die wissenschaftspolitische Diskussion bringen. Die Junge Akademie wird gemeinsam von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina getragen. Weitere Informationen zur Jungen Akademie gibt es hier: http://www.diejungeakademie.de

chancen und risiken von tenure track.
interview mit forschung & lehre.

31 Jan

Logo Forschung & Lehre

Mit dem Nachwuchspakt werden 1.000 neue Tenure-Track-Professuren gefördert. Das Ziel ist, die wissenschaftliche Karriere damit planbarer und transparenter zu machen um dem wissenschaftlichen Nachwuchs faire Chancen auf eine unbefristete Professur zu ermöglichen und im internationalen Wettbewerb um die besten Köpfe zu bestehen. Über die Chancen und Risiken des Nachwuchspakts habe ich kürzlich mit der Forschung & Lehre gesprochen. Das Interview kann hier und auf den Seiten von Forschung & Lehre gelesen werden.

***

Forschung & Lehre: Welche Chancen und welche Risiken birgt das Tenure-Track-Modell als Form der Stellenbesetzung?

Jule Specht: Das Modell ist vor allem eine große Chance: Es kann jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ermöglichen, schon früher als bisher selbstständig zu forschen und zu lehren. Es kann eine faire Auswahl mit transparenten Verstetigungskriterien verbinden. Und es kann schon früh eine Perspektive für einen dauerhaften Verbleib in der Wissenschaft aufzeigen. Insofern ist eine Tenure-Track-Professur in vielerlei Hinsicht attraktiver als der klassische Weg zur Lebenszeitprofessur, nämlich eine Mittelbaustelle mit Weisungsgebundenheit und ohne Chance auf Verstetigung.

Aber es gibt auch Risiken: Wenn Tenure-Track-Professuren unbefristete Professuren ersetzen zum Beispiel. Denn natürlich bietet eine unbefristete Professur mehr Freiheit und Sicherheit für die Stelleninhaberin als eine vorerst befristete Professur. Deshalb sollte die Schaffung zusätzlicher unbefristeter Professuren gegenüber zusätzlichen Tenure-Track-Professuren Vorrang haben.

Forschung & Lehre: Welche Voraussetzungen müssen vorliegen, damit das Tenure-Track-System Erfolg haben kann?

Jule Specht: Ein erfolgreiches TenureTrack-System richtet sich an akademisch junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die idealerweise wenige Jahre zuvor promoviert wurden. Die Berufung bereits etablierter Wissenschaftler auf Tenure-Track-Stellen verlängert dagegen lediglich die Befristungszeiten und konterkariert das Ziel, frühzeitig Perspektiven aufzuzeigen. Das ist insofern eine Gratwanderung, als es momentan eine große Zahl exzellenter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gibt, die zwar berufbar, aber noch nicht berufen sind. Um eine „lost generation“ zu verhindern, müssen auch für diese Personen bessere Perspektiven geschaffen werden, beispielsweise mithilfe der aus Reihen der Jungen Akademie vorgeschlagenen Bundesprofessur.

Zentral ist auch, dass eine Tenure-Track-Professur den unbefristeten Professuren gleichgestellt sein muss. Das heißt, sie muss eine echte langfristige Perspektive bieten, indem sie von vornherein und dauerhaft an laufenden Mitteln partizipieren kann und gleichberechtigt in Rechten und Pflichten in die Struktur der Universität eingegliedert ist, bspw. in der Lehre und bei der Wahl für Leitungspositionen im Dekanat.

Und schließlich kann ein solches System nur dann erfolgreich sein, wenn es – wie im Nachwuchspakt vorgesehen – zu zusätzlichen unbefristeten Professuren führt. Denn wir brauchen mehr Professuren, um allen Anforderungen, die an die Universitäten gestellt werden, gerecht zu werden. Gleichzeitig haben wir derzeit ein großes Angebot bestens qualifizierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, sodass 1.000 zusätzliche Tenure-Track-Professuren nur der Anfang sein können.

Forschung & Lehre: Wie müsste das Auswahlverfahren für Tenure-Track-Professuren aussehen?

Jule Specht: Das Ziel muss sein, die besten akademisch jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu gewinnen. Dafür wird ein offenes Verfahren mit einer breiten, im Allgemeinen internationalen, Stellenausschreibung und externen Gutachten benötigt, mit dem auf Basis fairer Kriterien auswählt wird. Noch immer haben wir in Deutschland zu wenige Frauen, Personen mit nicht-deutscher Herkunft und aus bildungsfernen Elternhäusern in der Professorenschaft. Faire und für diese Defizite sensibilisierte Berufungsverfahren können dabei helfen, bisher unterrepräsentierte Personengruppen adäquat zu berücksichtigen.

Gleiches gilt für die Kriterien, die für eine Entfristung der Tenure-Track-Professur herangezogen werden. Momentan haben wir auch dort einen Mangel an fairen und transparenten Kriterien. Die klassischen Maße wie die Anzahl an Publikationen, Zitationen und eingeworbenen Drittmitteln benachteiligen insbesondere unterrepräsentierte Personengruppen. Wir haben Nachholbedarf in der Formulierung von Kriterien, die ein diverses Verständnis von wissenschaftlichem Erfolg widerspiegeln, die zum Beispiel auch die Lehre und die externe Wissenschaftskommunikation adäquat berücksichtigen.

Und nicht zuletzt muss die wichtige Frage beantwortet werden, an welcher Stelle vorrangig selektiert werden soll: Bei der Auswahl der Tenure-Track-Professorinnen und -Professoren oder bei der Verstetigung. Echte Perspektiven bieten sich nur, wenn die Selektion vor allem zu Beginn des Tenure Tracks angesetzt wird.

Forschung & Lehre: Können Sie die Sorge entkräften, dass Tenure Track die Fakultäten unflexibel macht?

Jule Specht: Tenure-Track-Professuren machen Fakultäten ebenso wenig unflexibel wie die bisherigen unbefristeten Professuren. Sie sind eine Chance für eine wachsende Professorenschaft, flache Hierarchien mit Kooperationen auf Augenhöhe und die Verteilung professoraler Aufgaben wie Prüfungen, Betreuung von Studierenden und Doktoranden und Selbstverwaltung auf mehr Schultern. Darauf zielt auch der Vorschlag aus Reihen der Jungen Akademie ab, der eine Reform hin zu einer Departmentstruktur vorsieht. 2013 hat die Junge Akademie dazu das Positionspapier „Personalstruktur als Schlüssel zu leistungsfähigeren Universitäten“ herausgegeben.

Forschung & Lehre: Der Jungen Akademie ist die Vielfalt der Karrierewege für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wichtig. Welchen Anteil sollte das Tenure-Track-Modell dabei haben?

Jule Specht: Tenure-Track-Professuren können eine wichtige Ergänzung für die Vielfalt an Karrierewegen darstellen: Ein etabliertes Tenure-Track-System könnte zum Beispiel bestehende Formate wie befristete Akademische Ratsstellen, „Eigene Stellen“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Emmy-Noe­ther-Nachwuchsgruppen oder ERC-Starting Grants dazu anregen, ihrerseits langfristige Perspektiven in ihre Förderung zu implementieren, um für die besten Bewerberinnen und Bewerber attraktiv zu bleiben.

Auch ist denkbar, Tenure-Track-Modelle mit anderen Förderformaten zu kombinieren, bspw. eine Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe mit einer Tenure-Track-Professur. Damit könnte der Vorteil des einen Formats – eine eigene Arbeitsgruppe – mit dem Vorteil des anderen Formats – eine langfristige Perspektive – verknüpft werden.

Natürlich sind 1.000 Tenure-Track-Professuren längst nicht genug. Der Wissenschaftsrat empfahl im Jahr 2014 immerhin 7.500 zusätzliche Professuren, und seitdem ist die Zahl der Studierenden und des hochqualifizierten Mittelbaus weiter gestiegen. Die 6.500 ausstehenden Professuren könnten sich speziell der Förderung von Chancengerechtigkeit von Frauen und Männern in der Wissenschaft widmen oder Bundesprofessuren sein, die sich an etablierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler richten.

Forschung & Lehre: Hätte der Bund die Mittel für das Tenure-Track-Programm besser in die Einführung der Bundesprofessuren stecken sollen, die die Junge Akademie kürzlich gefordert hat?

Jule Specht: Die Bundesprofessur sollte nicht in Konkurrenz zur Tenure-Track-Professur stehen, denn sie ist eine sinnvolle Ergänzung. Im Unterschied zur Tenure-Track-Professur richtet sich die Bundesprofessur an bereits berufbare Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die keiner weiteren Befristung bedürfen. Sie kann damit eine hervorragende Chance für diejenigen sein, die bereits akademisch zu alt für eine Tenure-Track-Professur sind und Gefahr laufen, zu einer „lost generation“ zu gehören, weil sie sich in einer Zeit qualifizierten, als der Mittelbau stetig wuchs, die Professorenschaft aber nicht.

Darüber hinaus hebt sich die von uns vorgeschlagene Bundesprofessur, zu der wir 2016 einen Debattenbeitrag veröffentlicht haben, durch ein besonders hohes Maß an Flexibilität von allen bisherigen Förderformaten ab: Denn während normalerweise die Wissenschaftlerin oder der Wissenschaftler der Professur hinterher­zieht, erlaubt die Bundesprofessur die freie Wahl der Universität sowie den lebenslangen Wechsel der Universität unter Mitnahme der Bundesprofessur.

Unser Vorschlag sieht 1.000 zusätzliche Bundesprofessuren vor. Zusammen mit den 1.000 zusätzlichen Nachwuchspakt-Professuren fehlen uns noch 5.500 Professuren bis zur vom Wissenschaftsrat empfohlenen Menge zusätzlicher Professuren. Es ist also noch Platz für weitere Professuren und für weitere ­Ideen!

Forschung & Lehre: Welches sind die wichtigsten Pfeiler für eine Verbesserung der Karriere­perspektiven auf dem Weg zur Lebenszeitprofessur?

Jule Specht: Zum einen sind das langfristige Perspektiven in einem früheren Stadium der wissenschaftlichen Karriere, das heißt wenige Jahre nach der Promotion. Auch wichtig ist eine faire Auswahl der besten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für Professuren. Ein Beispiel: Gehen wir davon aus, dass Männer und Frauen gleichermaßen für Professuren geeignet sind, dann legt der Anteil von nur 18 Prozent Frauen unter der W3-Professorenschaft nahe, dass wir einen maßgeblichen Anteil der besten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bisher nicht für Professuren gewinnen konnten. Und schließlich ist Freiheit in Forschung und Lehre ein maßgeblicher Aspekt der Arbeit in der Wissenschaft und bisher vor allem Professorinnen und Professoren vorbehalten, für den wissenschaftlichen Nachwuchs aber ebenso wichtig.

Die Fragen stellte Ina Lohaus.

***

Die Zeitschrift Forschung & Lehre wird vom Deutsche Hochschulverband herausgegeben, der die Interessen der HochschullehrerInnen und des wissenschaftlichen Nachwuchses vertritt. Sie ist nach eigenen Angaben die auflagenstärkste hochschul- und wissenschaftspolitische Zeitschrift Deutschlands und erscheint monatlich, jeweils mit einem Schwerpunktthema, das aus unterschiedlichen Blickwinkeln diskutiert wird. Im Februar ist dieses Thema Tenure Track.

perspektiven der psychologie.
gespräch mit dem wissenschaftsrat.

26 Jan

Bild von Daniel Neville

Bild von Daniel Neville

In der Psychologie rumort es: Es kündigt sich ein Psychotherapie-Direktstudium an, das die Befürchtung hochkochen lässt, dass die Grundlagenforschung zugunsten der Anwendung marginalisiert wird. Man kämpft mit der Replikationskrise, die zeigt, dass ein substantieller Anteil der wissenschaftlichen Studien unseres Faches so stark verzerrt ist, dass man ihnen nicht vertrauen kann. Und dann ist da noch der wissenschaftliche Nachwuchs, der trotz hervorragender Qualifikation vergeblich auf die unbefristete Professur wartet.

Genug Gründe also, dass sich der Wissenschaftsrat mit der Zukunft der Psychologie beschäftigt um aufzuzeigen, wie sich die Einheit des Faches erhalten lässt. In diesem Zusammenhang wurde ich kürzlich nach Bonn zum Gespräch eingeladen. Die Beteiligten und Inhalte des Gesprächs sind vertraulich, meine eigene Position dazu aber nicht.

Studium

Ursprünglich war das Bachelorstudium für eine breite Berufsvorbereitung und das Masterstudium für eine Forschungsvertiefung gedacht. In der Psychologie stößt das auf Probleme, da die angewandten Fächer (die dementsprechend besonders für das Bachelorstudium relevant sein sollten) auf den Grundlagenfächern (die besonders für das Masterstudium relevant sein sollten) aufbauen. So ist der Anteil der angewandten Fächer im Studium gestiegen, da diese sowohl im Bachelorstudium als auch – wie klassischerweise im Diplomstudiengang – im späteren Verlauf, also im Masterstudium, Eingang in den Studienplan finden. Dies ging zulasten von Grundlagen- und Methodenfächern.

Dabei ist ein breit aufgestelltes Studienangebot in der Psychologie zentral: Zukünftige Studierende wissen meist noch nicht wo sie ihren fachlichen Schwerpunkt setzen wollen und sollten sich deshalb nicht bereits vor dem Studienbeginn zu eng festlegen müssen.

Und nicht nur in der Psychologie gilt: Lehre ist insbesondere dann aktuell, wenn diese von aktiv Forschenden geleistet wird. Hochschultypen, die besonders viel Lehre vonseiten der ProfessorInnen erwarten, gehen das Risiko ein, dass zum einen zu wenig Zeit für die Forschung bleibt und zum anderen Lehre in Bereichen gemacht wird in der keine Forschungsexpertise besteht.

Forschung

Die Psychologie ist momentan damit beschäftigt die Replikationskrise zu bewältigen, wodurch zahlreiche Bewegungen angestoßen und verstärkt wurden, beispielsweise die Preregistration von Studienvorhaben und Open Science (siehe bspw. Center of Open Science und Commitment to Research Transparency). Im Zusammenhang damit steht auch die Beobachtung, dass viele Forschungsprojekte an kleinen, verzerrten Stichproben (bspw. jungen Psychologie-Studentinnen) durchgeführt werden. Kollaborationen in der Datenerhebung über psychologische Subdisziplinen hinweg würde die themenübergreifende Zusammenarbeit fördern, die Probandenakquise erleichtern und zeitliche sowie finanzielle Ressourcen sparen. Dies sollte bei der Forschungsförderung berücksichtigt werden.

Kritisch diskutiert wird darüber hinaus, dass der Anteil anwendungsnaher Forschung gegenüber der Grundlagenforschung steigt. Dies spiegelt sich beispielsweise in den Forschungsförderungen durch die EU oder das BMBF wider. Als Konsequenz der  sinkenden Absicherung durch die prekäre Grundfinanzierung an Universitäten und der starken Abhängigkeit von Drittmittelförderungen werden viele Forschungsvorhaben dazu gezwungen besonders anwendungsnah zu sein (bzw. so zu wirken).

Wissenschaftlicher Nachwuchs

Wie auch in anderen Fächern ist die Situation des wissenschaftlichen Nachwuchses von mangelnden beruflichen Perspektiven geprägt. Etwa 5-6 Nachwuchsgruppenleitungen, Juniorprofessuren und frisch Habilitierte stehen einer ausgeschriebenen Professur gegenüber, sodass viele hochqualifizierte NachwuchswissenschaftlerInnen, die bereits erfolgreich bewiesen haben, dass sie selbstständig forschen und lehren können, nicht langfristig in der Wissenschaft bleiben können.

Die Situation ist innerhalb der Psychologie insofern verschärft als dass es außerhalb der Hochschulen und außeruniversitären Forschungsinstitute wenig Möglichkeit zur wissenschaftlichen Arbeit gibt (bspw. in Forschungsabteilungen von Unternehmen), sodass forschungsinteressierte junge Menschen wenig Alternativen zu einer akademischen Laufbahn haben. Gleichzeitig wird die Situation innerhalb der Psychologie momentan noch dadurch abgefedert, dass die Anzahl an Hochschulen (zum Teil in privater Hand) steigt und viele hochqualifizierte junge WissenschaftlerInnen Professuren an diesen Hochschulen antreten und dem Wissenschaftsstandort Deutschland somit nicht verloren gehen.

Eine Lösung für bessere berufliche Perspektiven ist, die Anzahl der Professuren zu erhöhen. Damit würde jungen WissenschaftlerInnen eine höhere Chance auf eine Professur geboten werden, es würde sich das Betreuungsverhältnis zwischen ProfessorInnen und Studierendenschaft verbessern, Aufgaben in Lehre und akademischer Selbstverwaltung würden sich auf mehr Schultern verteilen, Geld würde statt in weitere zeitlich befristete Projekte in langfristige Forscherkarrieren investiert werden und die Hierarchie zwischen wenigen Professuren und einem großen Mittelbau würde zugunsten von unabhängig, kooperativ arbeitenden ProfessorInnen verringert (derzeit sind nur ca. 12-15% des wissenschaftlichen Personals ProfessorInnen, deutlich weniger als in anderen Ländern).

***

Der Wissenschaftsrat ist ein wichtiges Beratungsgremium in der Wissenschaftspolitik. Er beschäftigt sich mit inhaltlichen und strukturellen Fragen der Wissenschaft und der Hochschulen und veröffentlicht Empfehlungen an wissenschaftspolitische Akteure. Seit dem Sommer 2016 hat eine Arbeitsgruppe mit dem Titel Perspektiven der Psychologie unter dem Vorsitz des Bildungsforschers Manfred Prenzel ihre Arbeit aufgenommen.

american dream?
career paths in higher education.

3 Nov

foto_von_vinicius_serafim

Photograph by Vinícius Serafim

What can we learn from science policy in other countries? Are they facing similar challenges? Are they able to deal with some of these challenges more efficiently? We will discuss that at the 13th Meeting of the ID-E that is part of the Berlin Science Week. Join us!

When: Monday, Nov 7th 2016, 10 am to 8 pm

Where: Embassy of Canada to Germany, Leipziger Platz 17, 10117 Berlin

Registration: Attendance is free but requires registration beforehand

***

My Abstract

Young academics in Germany are faced with a tremendous lack of promising career prospects within academia resulting in much more feelings of job insecurity compared to other countries (Friesenhahn & Beaudry, Global Young Academy, 2014). Thus, there is much to learn from those who offer by far better academic career prospects:

(1) Germany needs more professors. Here, we have a high number of pre- and postdocs with a temporary contract and a small number of professors with tenure or tenure track. Contrary to most other countries, this results in many highly qualified young scientists with no perspective for an enduring job within academia (Specht, Endesfelder, Erb, Hof, Pernice et al., Die Junge Akademie, 2016).

(2) Germany needs an improved tenure track system. The Juniorprofessur was initially introduced in Germany based on the idea of assistant professorships in other countries. However, contrary to assistant professorships, a tenure track option can only be found in a negligible fraction of these Juniorprofessuren (Schularick, Specht, Baumbach et al., Die Junge Akademie, 2015). The new Nachwuchspakt that aims at implementing 1,000 new tenure track professorships will hopefully start to change that soon.

(3) Germany needs a modern department structure. In contrast to most other countries, there is a strong hierarchy within departments with few chairs and many subordinate research assistants in Germany. This personal structure could, with no costs, be changed to a department structure with a larger number of autonomous professors that have equal rights and share the large number of responsibilities (Menke, Schularick, Baumbach et al., Die Junge Akademie, 2013).

***

Logo ID-E Berlin

ID-E Berlin International Dialogue on Education is a joint initiative of the British Council Germany, the German Academic Exchange Service, the German-American Fulbright Commission, the Australian Group of Eight, the Embassy of Canada to Germany and the Freie Universität Berlin. It offers a platform for international participants to discuss science policy.

frauen in der wissenschaft.
tenure track: chance für geschlechtergerechtigkeit?

20 Okt

BMBF_Datenportal_Abb2.5.83

Die Leaky Pipeline: Abbildung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung

Wir sind weit entfernt von einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis in der Wissenschaft, denn noch immer sinkt der Frauenanteil substantiell mit steigender Karrierestufe. Unter den begehrten W3-Professuren sind momentan vier von fünf Professuren von Männern besetzt. Aber die Zahl der Frauen in der Wissenschaft steigt, wenn auch nur sehr langsam. Behalten wir die Entwicklung der letzten 10 Jahre bei, dann können wir erst in 40 Jahren mit einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis bei W3-Professuren rechnen.

Zum Glück gibt es Menschen in der Politik und Wissenschaft, die das ändern möchten. Zum Beispiel die Mitglieder der Arbeitsgruppe „Frauenförderung im Bereich der Wissenschaft“ der GFMK, der Gleichstellungs- und Frauenministerkonferenz. Die GFMK ist ein Zusammenschluss der Gleichstellungs- und FrauenministerInnen und -senatorInnen der Länder. Sie hat das Ziel, die Benachteiligung von Frauen und Männern in Deutschland abzubauen, auch in der Wissenschaft.

Ob der Nachwuchspakt, der die Schaffung von 1.000 zusätzlichen Tenure-Track-Professuren vorsieht, den Anteil an Frauen bei den Professuren erhöhen könne, fragte mich diese Arbeitsgruppe und lud mich für einen Vortrag zu ihrer heutigen Sitzung ein. Tatsächlich spricht einiges dafür, dass Tenure-Track-Programme das bestehende Ungleichgewicht der Geschlechter nicht verschlimmern. Nur: Sie werden das Ungleichgewicht wohl auch nicht substantiell verbessern.

Meiner Meinung nach ist die Förderung von Chancengerechtigkeit in der Wissenschaft unmittelbar mit der Verbesserung beruflicher Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs verknüpft. Wir brauchen mehr Professuren in Deutschland um diese Perspektiven zu verbessern und um alle Anforderungen, die an die Hochschulen gestellt werden, bewältigen zu können. Das ist besonders für Frauen wichtig, die in höherem Ausmaß von mangelnden Perspektiven betroffen sind und deshalb die Wissenschaft zu oft verlassen. Wichtig ist, zusätzliche Professuren für Frauen zu schaffen und bei der Besetzung von regulären Professuren Zielquoten festzulegen, die deutlich über das Kaskadenmodell hinausgehen.

Mehr Informationen zu meinem Vortrag gibt es hier: Vortragsfolien

Besonderer Dank für den anregenden Austausch zu diesem Thema gilt den Mitgliedern der Arbeitsgruppe Wissenschaftspolitik der Jungen Akademie und meinen neuen Kolleginnen und Kollegen an der Uni Lübeck!

was frauen fordern.
mein deutschland in 10 jahren.

2 Okt

Was Frauen fordern: Mein Deutschland in zehn Jahren

Frauen haben in einigen Lebensbereichen noch nicht die gleichen Chancen wie Männer. Der Tagesspiegel möchte das ändern und ich hatte die Ehre, zusammen mit Manuela Schwesig – unserer Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend – die Schirmherrschaft für eine Initiative zu diesem Thema zu übernehmen.

In einer umfangreichen Beilage des heutigen Tagesspiegels kommen Frauen aus der Politik (neben Manuela Schwesig auch Rita SüssmuthNicola Beer, Cornelia Möhring und Ritva Koukko-Ronde), Wissenschaft (neben mir auch Sabine Kunst, Jutta Allmendinger, Ellen von den Driesch und Elke Holst) und Unternehmen / Stiftungen (Sirkka Jendis, Wiebke Ankersen, Aygül Özkan, Jutta Falke-Ischinger, Vera Gäde-Butzlaff, Aletta Gräfin von Hardenberg, Monika Schulz-Strelow, Angelika Huber-Straßer, Dagmar Reim, Stefanie Salata, Beate Wedekind, Tanja Wielgoß und Kristina Jahn) zu Wort und veröffentlichen ihre Forderungen für unser Deutschland in zehn Jahren.

→ Weiterlesen im Debattenportal des Tagesspiegels

karrierechancen in der wissenschaft.
podiumsdiskussion zum bundesprofessur-vorschlag.

4 Jul

„Foto

Foto von ironpoison

Die Karrierechancen für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind verbesserungswürdig. Das Hauptproblem ist, dass es zwar viele zeitlich befristete, projektbezogene Förderformate gibt, jedoch zu wenig langfristige Perspektiven. Um dies zu verbessern, haben Mitglieder der Jungen Akademie kürzlich eine Bundesprofessur vorgeschlagen. Diese neue Stellenkategorie wird nun im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen und Vertretern von Wissenschaft und Politik aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Interessierte sind herzlich eingeladen!

Was
Podiumsdiskussion zu „Karrierechancen für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – Vorschlag Bundesprofessur“ im Rahmen der Akademievorlesung „Exzellenzinitiative 3.0: Strukturfragen“ der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Wer
Sabine Kunst, Präsidentin der Humboldt-Universität zu Berlin
Richard Münch, Soziologe an der Universität Bamberg
Steffen Krach, Staatssekretär für Wissenschaft in Berlin
ich, Psychologin an der Freien Universität Berlin und Mitglied der Jungen Akademie
Moderation: Anna-Lena Scholz, freie Journalistin (u.a. für ZEIT und Tagesspiegel)

Wann
14. Juli 2016 um 18:00 Uhr

Wo
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Einstein-Saal
Akademiegebäude am Gendarmenmarkt, Jägerstraße 22/23, 10117 Berlin

Weitere Informationen
zur Veranstaltung: hier
zur Bundesprofessur: hier als Überblick und hier im Detail

***

Logo Die Junge Akademie

Die Junge Akademie wurde im Jahr 2000 als weltweit erste Akademie für herausragende junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ins Leben gerufen. Ihre Mitglieder stammen aus allen wissenschaftlichen Disziplinen sowie aus dem künstlerischen Bereich – sie loten Potenzial und Grenzen interdisziplinärer Arbeit in immer neuen Projekten aus, wollen Wissenschaft und Gesellschaft ins Gespräch miteinander und neue Impulse in die wissenschaftspolitische Diskussion bringen. Die Junge Akademie wird gemeinsam von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina getragen. Sitz der Geschäftsstelle ist Berlin.

vorschlag bundesprofessur.
debattenbeitrag von mitgliedern der jungen akademie.

20 Mai

„Specht,

Exzellente Wissenschaft braucht kluge Köpfe und langfristige Perspektiven. Es fehlt jedoch an personenbezogener, langfristiger Förderung im deutschen Wissenschaftssystem. Diesem Mangel wirken nun Mitglieder der Jungen Akademie mit einem Debattenbeitrag entgegen, der soeben veröffentlicht wurde. Wir schlagen die Einführung einer Bundesprofessur vor. Diese soll erfolgreichen jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eine unbefristete Möglichkeit zur selbstständigen Forschung und Lehre an einer Universität ihrer Wahl ermöglichen und langfristig aus Bundesmitteln finanziert werden.

Das Konzept der Bundesprofessur knüpft an bestehende Förderformate für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (bspw. Juniorprofessur und Emmy-Noether-Gruppe) an und führt sie nachhaltig weiter. Im Gegensatz zum heute vorgestellten Bund-Länder-Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses richtet sich die Bundesprofessur an bereits berufungsfähige Personen und soll dauerhaft vom Bund getragen werden.

Der Vorschlag zur Bundesprofessur entstand im Rahmen der interdisziplinären Arbeitsgruppe Wissenschaftspolitik der Jungen Akademie. Die fünf Autorinnen und Autoren Jule Specht (Freie Universität Berlin), Ulrike Endesfelder und Tobias J. Erb (beide Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie), Christian Hof (Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum) und Wolfram Pernice (Westfälische Wilhelms-Universität Münster) wurden dabei von 31 weiteren aktiven und ehemaligen Mitgliedern der Jungen Akademie unterstützt.

Die Studie ist frei verfügbar und kann unter folgendem Link gelesen werden:
Jule Specht, Ulrike Endesfelder, Tobias J. Erb, Christian Hof, Wolfram Pernice et al. (2016). Die Bundesprofessur: Eine personenbezogene, langfristige Förderung im deutschen Wissenschaftssystem. Berlin: Die Junge Akademie (ISBN 978-3-00-053002-9).

Die Pressemitteilung zur Studie gibt es hier.

Presseberichte:

  • ZEIT Online: Gastbeitrag mit dem Titel „Wir brauchen eine Bundesprofessur!“ (von Jule Specht, Ulrike Endesfelder, Tobias J. Erb, Christian Hof, Wolfram Pernice)
  • Deutschlandfunk: Gesprächsrunde in der Sendung Campus & Karriere mit Jule Specht, Eva-Maria Stange (Wissenschaftsministerin Sachsen), Ernst Schmachtenberg (Rektor der RWTH Aachen) und Regina Brinkmann (Moderation)
  • ZEIT CHANCEN Brief: Meldung mit dem Titel „Junge Akademie fordert Bundesprofessur“
  • Forschung und Lehre: Nachricht mit dem Titel „Junge Akademie schlägt Bundesprofessur vor“
  • Der Tagesspiegel: Artikel mit dem Titel „Karrierechancen junger Wissenschaftler: Unzufrieden mit dem Professoren-Programm“ von Amory Burchard
  • CEWS journal: Meldung mit dem Titel „Tenure-Track-Programm geht in die richtige Richtung – aber nicht weit genug“

Die Junge Akademie:
Die Junge Akademie wurde im Jahr 2000 als weltweit erste Akademie für herausragende junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ins Leben gerufen. Ihre Mitglieder stammen aus allen wissenschaftlichen Disziplinen sowie aus dem künstlerischen Bereich – sie loten Potenzial und Grenzen interdisziplinärer Arbeit in immer neuen Projekten aus, wollen Wissenschaft und Gesellschaft ins Gespräch miteinander und neue Impulse in die wissenschaftspolitische Diskussion bringen. Die Junge Akademie wird gemeinsam von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina getragen. Weitere Informationen zur Jungen Akademie gibt es hier: http://www.diejungeakademie.de