Labor meets Liebe
Suche kochenden Betthasen

10 Okt

Foto von Rosa Pomar

Attraktiv soll er sein, erfolgreich und natürlich gut im Bett. Den Anforderungen an den idealen Partner sind kaum Grenzen gesetzt. Aber was verlangen Max und Erika Mustermann eigentlich von ihrem Traumpartner? Und wie lassen sich Wunsch und Wirklichkeit verknüpfen?

***

Wer wen warum sucht, damit beschäftigte sich erstmals umfassend Buss (1989) in einer großen interkulturellen Studie. Am wichtigsten war den Befragten damals ein freundlicher/verständnisvoller und intelligenter Partner. Im Vergleich zu den Männern schätzt die klassische Frau von Welt an einem Traumprinzen besonders seine finanzielle Ausstattung. Und dies gilt für Frauen aus Deutschland und den USA genauso wie für Frauen aus Nigeria, Taiwan, Polen oder Brasilien. Im Vergleich zu Frauen achten Männer dagegen besonders auf das Aussehen der Traumprinzessin. Und auf ihr Alter, denn jünger sollte sie sein. Wenige Monate nur in Finnland, aber immerhin 7 Jahre jünger in Sambia.

Frauen suchen passenderweise nach einem älteren Mann und präferieren dabei im Schnitt sogar einen größeren Altersunterschied als Männer. Während die deutschen Männer in den 80er Jahren noch eine zweieinhalb Jahre jüngere Ehefrau suchten, suchten deutsche Frauen einen fast 4 Jahre älteren Ehemann (tatsächlich lagen im Durchschnitt etwas mehr als 3 Jahre zwischen Herrn und Frau Mustermann, man traf sich also kompromissbereit in der Mitte). Und warum diese Unterschiede? Kurz: Die mittellose Frau sucht einen beschützenden Ernährer, der Mann eine fruchtbare Frau. Man fragt sich doch, wann die finanzielle Unabhängigkeit der Frauen und die Fruchtbarkeitstricks der Medizin dieses Beuteschema obsolet werden lässt.

Arme, schöne Frau sucht reichen Mann, der schöne Frau sucht

Wie groß der Unterschied zwischen Wunsch und Wirklichkeit dann aber sein kann, zeigten Eastwick und Finkel (2008): Auch sie befragten Personen nach ihrem Idealpartner und während Männer auch hier wieder von jungen, gutaussehenden Damen träumten, dachten Frauen wieder hauptsächlich ans Geld. Ließ man diese Personen danach jedoch im Speed-Dating einander kennenlernen war auf einmal alles ganz anders. Denn nun hatten sowohl Männer als auch Frauen vergleichbar starkes Interesse an attraktiven und gutsituierten Personen (wobei gutes Aussehen deutlich wichtiger ist als viel Geld). Gleich und gleich gesellt sich gern galt in diesem Kontext also nicht: Je mehr Geld oder Attraktivität desto begehrter.

Man stelle sich vor: Könnte man wählen zwischen einem attraktiven, kulturell bewanderten Mann mit leidlicher Intelligenz und einem vergleichbaren Prachtexemplar mit hoher Intelligenz, so würde man wohl in wenn-schon-denn-schon-Manier die intelligente Version wählen. Um diese Maßlosigkeit zu begrenzen, müssen im Traumprinzenland von Li und Kollegen (2002) Prioritäten gesetzt werden. Unter diesen Bedingungen stellen Frauen zuerst sicher, dass ihr Idealpartner einen mindestens durchschnittlichen sozialen Status hat, während Männer auf eine mindestens durchschnittliche Attraktivität achten. Ganz besonders wichtig war hier auch wieder die Intelligenz, dicht gefolgt von Freundlichkeit. Die Freundlichkeit stellt, laut Autoren, sicher, dass die wünschenswerten Ressourcen (Geld beziehungsweise Körper) dem Partner auch zur Verfügung gestellt werden. Denn was bringt das volle Portemonnaie oder der schlank-runde Körper, wenn beides ungenutzt einstaubt…

Reichtum und Attraktivität nützen nur, wenn man sie auch teilt…

Abseits der Partner-fürs-Leben-Suche sind sich Männer und Frauen bei der Suche nach kurzfristigem Liebesglück laut einer Studie von Li und Kenrick (2006) jedoch recht ähnlich. Hier zählt für alle Beteiligten vor allem das Aussehen. Männer sind diesbezüglich jedoch kompromissbereiter und Frauen etwas wählerischer. Als Hauptgrund für Gelegenheitssex geben beide Geschlechter an: „I was physically attracted to the person, and I thought it would feel good“. Der zweittypischste Grund unter Frauen ist, dass sie sich eigentlich eine langfristige Beziehung wünschen und mit dem Gelegenheitssex den Appetit anregen wollen. Weniger romantisch ist das bei den Männern: der zweittypischste Grund für ein Intermezzo ist lediglich das Austesten des eigenen Wertes auf dem Partnermarkt.

Foto von Dan Foy

Doch was tun, wenn man per Standardeinstellung nicht zu den schönsten, reichsten, klügsten und nettesten Menschen gehört? Verstecken und auf bessere Zeiten warten? Für Frauen kann es helfen den passenden Zeitpunkt abzupassen: In den Tagen höchster Fruchtbarkeit werden Frauen nicht nur schöner, sondern laut einer Studie von Markey und Markey (2011) auch warmherziger. Hoffnungsvoll lässt auch das Ergebnis von Fletcher und Kollegen (2000) stimmen: Diese fanden nämlich heraus, dass sich der Idealpartner mit der Zeit an den tatsächlichen Partner angleicht. Hat man erst einmal eine Passung zu dem hypothetischen Idealpartner des Liebsten erreicht, bringt diese dann auch verdientermaßen Beziehungszufriedenheit und –stabilität.

***

Vom Labor hin zum echten Leben: Bei Überlegungen zum idealen Partner neigt der Mensch zur Maßlosigkeit. Etwas weniger anspruchsvoll geht es bei reinen Kurzzeit-Bettgeschichten zu, der Mann ist allgemein sehr aufgeschlossen und sei es nur um seinen Marktwert zu testen und die Frau lässt sich auch ohne Million auf dem Konto von einem großen, muskulösen Mann überzeugen. Aber: All die bezaubernden Eigenschaften (→ Geld und Attraktivität) entfalten natürlich nur ihre Wirkung, wenn man auch bereit ist diese mit dem Partner zu teilen…

Wer keine Lust mehr hat auf seinen Traumpartner zu warten, der kann sich diesen (in der Zwischenzeit) auch backen (→Traumprinz und →Traumprinzessin), aufpusten (→Traumprinz und →Traumprinzessin), kneten (→Traumprinz und →Traumprinzessin) oder falten (→Traumprinz).

Und abschließend:

Zeichnung von Robin Ator

***

Vielen Dank an dieser Stelle an Sascha, der mich auf die Li-Studien aufmerksam machte!