Labor meets Liebe
Good girl or bad girl?

7 Mai

Foto von Helga Weber

Im Allgemeinen wird den Herren der Schöpfung häufiger notorische Untreue unterstellt. Aber trifft das wirklich zu? Und was ist eigentlich schlimmer, sexuelle oder emotionale Untreue? Und warum überhaupt dieses ganze Schlamassel?

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Gebundene Männer sind anfälliger für Verführungen als gebundene Frauen. Heißt es oft. Dass das so nicht ganz richtig ist zeigte Lammers mit Kollegen in einer aktuellen Studie (in press): Sie führen das höhere Risiko zur Untreue nicht auf das Geschlecht zurück, sondern auf den Erfolg. Ihrer Beobachtung nach gehen nämlich erfolgreiche Menschen eher fremd, egal ob es sich dabei um einen erfolgreichen Mann oder eine erfolgreiche Frau handelt. Nun beschert uns die wachsende Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau immer mehr erfolgreiche (und damit potentiell lasterhafte) Frauen und diese verfallen den Verführungen anscheinend ebenso wie ihre männlichen Kollegen.

Aber warum eigentlich – was hat Erfolg mit Untreue zu tun? Lammers und Kollegen stellten fest, dass der Effekt nicht dadurch entsteht, dass sich erfolgreiche Menschen so sehr in ihre Arbeit stürzen, dass sie sich von ihrem Partner entfremden. Auch trauen sich erfolgreiche Menschen nicht eher das Risiko des Fremdgehens einzugehen, weil sie beispielsweise auf Geschäftsreisen – dem Schlaraffenland des Fremdgehens – unentdeckt fremde Betten testen können oder weil sie allgemein das Risiko lieben, im Beruf wie in der Beziehung. Vielmehr sind erfolgreiche Menschen deshalb eher untreu, weil sie selbstsicherer sind. Oder andersherum: Der nicht-erfolgreiche Mensch ist deshalb eher treu, weil es zu wenig Selbstsicherheit für eine weitere Liebschaft hat.

Aus evolutions-psychologischer Sicht empfiehlt es sich für den Mann möglichst viele Frauen zu erobern. So kann er seine Gene breit streuen und viele niedliche Kinder zeugen, um deren weitere Entwicklung sich dann selbstverständlich die Frau bemüht. Die Frau im evolutions-psychologischen Sinne ist dagegen monogam hingebungsvoll. Schließlich ist sie darauf angewiesen vom eigentlich flatterhaften Mann unterstützt zu werden. Glücklicherweise erstreckt sich der Horizont der modernen Frau mittlerweile über Kinder, Küche und Kirche hinaus und damit war’s das auch schon mit monogam hingebungsvoll.

Heutzutage müsste es sich also eigentlich, evolutions-psychologisch argumentiert, für die Frau rentieren Kinder mehrerer Väter zu haben. Wird sie dadurch nicht mittellos (durch eigenes Einkommen, einen toleranten Partner oder einen hilfsbereiten Freundeskreis), kann sie ihre Gene weitergeben ohne sie an das genetische Material eines einzigen Anderen zu knüpfen, der sich vielleicht später als Inhaber ungünstiger Allele entpuppt (die sich beispielsweise erst später im Leben zu erkennen geben).

Der lesende Mann sitzt nach den letzten Sätzen möglicherweise schweißgebadet vor dem Computer, denkt an Kuckuckskinder und wird sich plötzlich erschreckender Ähnlichkeiten zwischen den Augen des Sprösslings und denen des Gärtners bewusst. Um diese Angst zu mindern entwickeln viele Frauen eine Strategie, wie Dosmukhambetova und Manstead (2011) herausfanden: Frauen in ernsthaften Beziehungen halten sich von lasterhaften Frauen fern – sie vermeiden es mit diesen auszugehen und würden sie nicht als Freundin akzeptieren. Böse Zungen mögen hier vielleicht über Neid der Treuen gegenüber der Lebefrauen spekulieren, aber festhalten lässt sich vorerst nur, dass die treue Partnerin (unbewusst) darauf bedacht ist sich von weniger treuen Zeitgenossinnen fernzuhalten.

Gerade durch die Gefahr der Kuckuckskinder ist für Männer die sexuelle Untreue ihrer Partnerin ein echtes Problem (wobei dieses Problem seit Verbreitung funktionierender Verhütungsmethoden vermindert sein sollte). Frauen dagegen, die ja teilweise noch auf die Unterstützung der Männer angewiesen sind, bewerten emotionale Untreue als deutlich schlimmer. Der Lesende darf hier ein Gedankenexperiment wagen: Könnte man es sich aussuchen, was wäre dann eigentlich schlimmer, der/die Liebste, wie er/sie leidenschaftlichen Sex mit einer anderen Person genießt oder wie er/sie eine tiefe emotionale Bindung zu dieser Person aufbaut? Kein leichtes Unterfangen zwischen worst case scenario 1 und 2 zu unterscheiden.

Tagler (2010) jedenfalls fand heraus, dass junge Männer die sexuelle Untreue tatsächlich schlimmer finden, während Frauen die emotionale Untreue schlimmer bewerten. Mit reifendem Alter und wachsender Erfahrung im „betrogen werden“, änderte sich dies allerdings: Frauen trifft die Untreue ihres Partners allgemein stärker als Männer. Dennoch führt nun, insbesondere bei Männern, die emotionale Untreue zu mehr Verzweiflung als die sexuelle Untreue.

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Die praktischen Implikationen in dieser Woche sind möglicherweise etwas bedrückend. Untreue gibt es, sogar immer wieder einmal. Frauen auf der Suche nach Langzeitpartnern sollten sich möglichst treu zeigen, was aber wiederum für die Männer heißt: Selbst wenn sie treu wirkt, ist sie das nicht zwingend. Für die Nicht-Erfolgreichen empfiehlt sich, je nach verfolgter Intention, ein selbstsicheres Auftreten, also langer direkter Blickkontakt, eine selbstbewusste Haltung und vielleicht leichter zufällig wirkender Körperkontakt. Das muss ja nicht zwingend zu abtrünnigem Verhalten führen – vielleicht bringt es auch einfach mehr Erfolg im Beruf.