Labor meets Liebe
Speed-Dating

5 Mrz

Foto von Todd Shaffer

„Es ist doch spannend, dass man heutzutage reden können muss um Sex zu haben.“, so wird es (von männlicher Seite) resigniert im Film Shoppen festgestellt und nicht nur dort. Speed-Dating ist kein Vorspiel für den Quickie, sondern eine eigene Kunst für sich und wovon der (wie auch immer geartete) Erfolg abhängt, ist das Thema dieser Woche.

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Speed-Dating ersetzt das gefürchtete Ansprechen fremder Personen und verhindert langatmige Abende mit doch nicht ganz so besonderen Menschen. Wem es an Gelegenheiten oder Mut mangelt interessante Mitmenschen im Alltagstrubel anzusprechen, der kann beim Speed-Dating auf dieses lästige Vorspiel verzichten. An einem Abend trifft man so gern mal 10 oder sogar mehr potentielle Partner, deren Dating-Tauglichkeit dann im Akkord und nicht wie konventionell notwendig über mehrere Wochen hinweg an einzelnen Abenden ausgetestet werden kann. Doch neben der Frage, ob einem zwischen all den Kandidaten auch der ideale Partner gegenübersitzen wird, stellt sich häufig auch die Frage: Wie schaffe ich es dieser Person in 3 Minuten deutlich zu machen, dass wir zusammen gehören?

Wie ein Speed-Dating ablaufen kann zeigen übrigens sehr anschaulich und amüsant die Herren Harald Schmidt und Oliver Pocher (wobei sich Fragen wie an Tisch 2 „Wo habt Ihr Euch kennengelernt?“ wohl eher nicht eignen, sofern man Ex-Freunde nicht zum Gesprächs-Thema-Nr.1 werden lassen möchte):

Das Wichtigste beim Speed-Dating ist das Aussehen, denn mit der Attraktivität steigt auch die Wahrscheinlichkeit gewählt zu werden. Asendorpf und Kollegen (2011) fanden sogar heraus, dass sich Männer bei ihrer Wahl allein auf solche offensichtlichen Kriterien verlassen. Frauen, in jungen Jahren generell umworbener und damit einhergehend auch wählerischer, bewerten da differenzierter: Neben dem Aussehen kommt es ihnen beispielsweise auch auf Bildung und Einkommen des Gegenüber an. Bemerkenswerterweise wirken darüber hinaus insbesondere solche Männer attraktiv, die wenig sexuell gehemmt (also auch potentiell fremdgeh-gefährdet) sind; vermutlich dient diese Eigenschaft als Zeichen für erfolgreiche Beziehungserfahrung. Doch was bedeutet eigentlich „Attraktivität“ und inwiefern lässt sich diese Speed-Dating-vorbereitend optimieren?

Schön wirken laut Zebrowitz und Montepare (2008) beispielsweise meist Personen mit symmetrischem Gesicht und jugendlichem Aussehen. Aus evolutions-psychologischer Sicht sind dies nämlich Zeichen für eine gute Gesundheit und prächtigen Nachwuchs, weshalb attraktiven Menschen allgemein allerlei positive Eigenschaften zugeschrieben werden (beispielsweise Intelligenz, Aufgeschlossenheit, Macht und soziale Kompetenz), was in gewissem Maße sogar zutrifft. Nun kann der Mensch an dieser Art der Attraktivität aber leider wenig ändern (über eine Ausnahme könnt Ihr hier in der nächsten Woche lesen). Der gute Mitja Back hat mit Kollegen (in press) jedoch herausgefunden, dass auch beeinflussbarere Äußerlichkeiten wie die Übereinstimmung in der Kleiderwahl und Subkultur bestimmt wie attraktiv wir uns in so kurzer Zeit finden.

Aus der letztgenannten Studie lässt sich auch schlussfolgern, dass Personen, die sich bezüglich ihrer Speed-Dating-Chancen sorgen, dies auf ihren Hang zum niedrigen Selbstwert und stärker ausgeprägten Neurotizismus zurückführen können. Beides war in dieser Studie jedoch kein Grund dafür tatsächlich geringere Chancen zu haben. Das heißt, wenn Ihr Euch sorgt, dann seid Euch darüber bewusst, dass Eure Sorgen höchstwahrscheinlich unbegründet sind. Viel wichtiger für den Speed-Dating-Erfolg ist die Extraversion, die sich beispielsweise darin zeigt wie gesprächig, aktiv und enthusiastisch eine Person ist. Auch erfolgsversprechend sind in solchen Situationen narzisstische Eigenschaften, wie beispielsweise eine selbstzentrierte Denkweise. Da diese Eigenschaft aber nur sehr kurzfristig attraktiv wirkt und es laut Asendorpf und Kollegen (2011) beim Speed-Dating vornehmlich um die Suche nach Langzeit-Beziehungen geht, sei davon abzuraten sich ein solches Merkmal anzutrainieren.

Doch neben diesen Äußerlichkeiten bleibt die Frage: Wie sollte man sich beim Speed-Dating eigentlich verhalten? Eastwick und Kollegen (2010) haben herausgefunden, dass das Verhalten gegenüber der Gesprächsperson deutlich wichtiger ist als sich selbst in gutem Licht darzustellen. Das heißt: Interesse zeigen, indem man beispielsweise Fragen stellt und zustimmend nickt, Blickkontakt halten, Lächeln und zeigen, dass man aufmerksam zugehört hat wird dem attraktiven Selbstdarsteller gefährliche Konkurrenz machen.

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Was bleibt nun nach all den Studien? Personen mit One-Night-Stand-Ambitionen sind vermutlich erfolgreicher auf konventionellem Wege in der gemütlichen Kneipe oder hämmernden Disko mit Alkohol im Blut und zu später Stunde. Die meisten Menschen benötigen vermutlich keine 3 oder 5 Minuten um den potentiellen Traumpartner zu identifizieren, da sowieso hauptsächlich das Aussehen bei dieser Art der Partnerwahl ausschlaggebend ist (es genügt weniger oder wird bei differenzierteren Entscheidungen deutlich mehr Zeit benötigt). Wer dennoch statt Online-Partner-Börse die Interaktion bevorzugt sollte sich dann am Besten lebenslustig, gesellig und interessiert geben und nicht allzu pessimistisch bezüglich der eigenen Chancen sein (das wäre wohl sowieso nicht realitätsgerecht).

In der nächsten Woche dreht sich dann übrigens alles um das Thema Die Pille als Spielverderber und andere hormonale Kuriositäten.